Prolog


Zum fünfzigjährigen Bestehen dieser Schule im Jahre 1952 schrieb der damalige Rektor Fritz Sänger von der Heimat Wichlinghausen als einer in „Not, Auflösung und Bedrohtheit“. Und: „Die Schule hat die Aufgabe, durch eine lebendige Unterrichtsgestaltung eine Grundbildung des Wissens und Könnens zu gewährleisten. In unserer Zeit treten Vermassung und Mechanisierung immer mehr in Erscheinung. Das Menschentum steht daher in Gefahr, seelisch tödlich getroffen zu werden. Die Erziehungsnot nimmt ebenfalls immer bedenklichere Formen an, und somit darf sich die Aufgabe der Schule nicht nur in der Vermittlung von Kenntnissen erschöpfen. Auch bei der Schule heißt das Gebot der Stunde, ‚den Menschen im Kinde zu retten, Pflanzstätte echter Menschenbildung zu sein’. In dieser glücklichen Zusammenfassung von Erziehungs- und Leistungsschule liegt die Sinnerfüllung jeder Schule überhaupt.“
Diese Weitsichtigkeit macht 50 Jahre später betroffen, aber sie hat auch etwas Tröstliches, denn sie erlaubt die Vermutung, dass Menschen stets befürchten, in einer Zeit zu leben, die sich zum Schlechten kehrt.
Der Rektor Fritz Sänger wusste um die Chance schulischer Bildung, und die Verbindung von Erziehungs- und Leistungsschule ist zukunftweisend wie eh und je.
Bildung ist nicht nur bedeutsam für den, der sie besitzt, sie ist der Garant für das friedvolle Zusammenleben der Menschen. Das Wissen erklärt uns das Andersartige und nimmt uns ein Stück Angst.
Die Welt ist in wenigen Stunden zu „er-fliegen“, und die Menschen aus aller Welt sind auch in diesen Stadtteil gekommen und leben hier.
Vor diesem Hintergrund sehen wir „unsere Schule der Zukunft“ und arbeiten für die „Zukunft der Bildung“. Dabei sind alle, die an unserem Schulleben beteiligt sind, die Kinder, die Eltern und wir Lehrerinnen und Lehrer Teil eines nie enden sollenden Lernens.
Die Denkschrift der Bildungskommission NRW aus dem Jahre 1995 hat unser „Haus des Lernens“ geprägt: „Das Finden der eigenen Identität und die Achtung der Integrität anderer, der Respekt vor dem Andersartigen müssen in der Schule gelebt werden können.“
Unsere Gemeinschaftsgrundschule Liegnitzer Straße wurde am 11. September 1902 bezogen.
Wissensvermittlung und Persönlichkeitsbildung stehen in unserem Unterricht gleichwertig nebeneinander. Der Lernprozess ist geprägt vom gemeinsamen Lernen aller Kinder, gleich welch unterschiedlicher Herkunft. Es ist unsere schwierigste Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie stehen und sie durch diesen Lernprozess zu begleiten.
Die Gemeinschaftsgrundschule Liegnitzer Straße möchte alle ihre Schülerinnen und Schüler auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehen für ihr Leben vorbereiten mit einem Unterricht, der ein lange weiterwirkendes Erleben und Erfahren von eigenen Fähigkeiten und Kraft ist, der die Kinder die eigene Leistungsfähigkeit erfahren und ausschöpfen lässt – der beste Schutz, davon sind wir zutiefst überzeugt, gegen Anfechtungen und Gewalt.
Unser Schulleben soll die Schutzbefohlenen unter Bewahrung letztlich alter humanistischer Werte in eine veränderte Gesellschaft begleiten.